Sie wissen danach, welche Bausteine ein Rettungskonzept für die Baustelle braucht, wie der Rettungsdienst schnell zum Verletzten kommt und wie Sie das Konzept im Bauablauf aktuell halten.
Von Manuel Rutsch · Stand: 9. Oktober 2026
Ein Rettungskonzept beantwortet eine einfache Frage: Wie kommt ein verletzter oder gefährdeter Mensch von jeder Stelle der Baustelle schnell in Sicherheit und in ärztliche Versorgung? Dazu gehört mehr als ein Verbandkasten. Das Konzept verbindet Erste Hilfe, Alarmierung, Rettungswege, Zufahrt für Rettungsdienst und Feuerwehr sowie die Räumung der Baustelle.
Rechtlich ergibt sich die Pflicht aus mehreren Quellen. Das Arbeitsschutzgesetz verlangt in § 10 Maßnahmen zur Ersten Hilfe, Brandbekämpfung und Evakuierung. Die Arbeitsstättenverordnung und die Technischen Regeln für Arbeitsstätten, insbesondere die ASR A2.3 zu Fluchtwegen und Notausgängen, konkretisieren Rettungswege und Flucht- und Rettungspläne. Die DGUV Vorschrift 1 regelt die Organisation der Ersten Hilfe. Auf Baustellen nach Baustellenverordnung gehört das Thema außerdem in den SiGe-Plan.
Eine feste Form schreibt das Gesetz nicht vor. In der Praxis hat sich ein schriftliches Konzept mit Plänen bewährt, das der Bauleiter oder der SiGe-Koordinator verantwortet und das allen Firmen auf der Baustelle bekannt ist.
| Baustein | Inhalt | Wo sichtbar |
|---|---|---|
| Alarmplan | Notrufnummern, Meldeweg, interne Ansprechpartner | Aushang an Zugängen, Containern, Kranen |
| Flucht- und Rettungsplan | Rettungswege, Sammelstelle, Erste-Hilfe-Material, Feuerlöscher | Aushang je Bauabschnitt oder Geschoss |
| Zufahrtsplan | Anfahrt, Treffpunkt, Aufstellflächen für Rettungsdienst und Feuerwehr | beim Pförtner, bei der Leitstelle hinterlegt |
| Erste-Hilfe-Organisation | Ersthelfer, Sanitätsraum oder Erste-Hilfe-Stelle, Material | Liste mit Namen, Beschilderung |
| Sonderrettung | Höhen-, Tiefen- und Rettung aus engen Räumen | Arbeitsplatzbezogene Anweisung |
| Räumungskonzept | Signal, Räumungshelfer, Vollzähligkeitskontrolle | Unterweisung, Aushang |
Alle Bausteine hängen zusammen. Ein Alarmplan nützt wenig, wenn der Rettungswagen nach dem Notruf am falschen Tor steht. Ein Flucht- und Rettungsplan ist wertlos, wenn der gezeichnete Weg seit einer Woche mit Material zugestellt ist.
Im Bestandsgebäude bleiben Fluchtwege über Jahre gleich. Auf der Baustelle ändern sie sich mit dem Baufortschritt: Treppenhäuser werden erst später fertig, Gerüste wandern, Öffnungen werden geschlossen, Bereiche abgesperrt. Das Konzept muss deshalb mit dem Bauablauf mitwachsen.
Praktisch bedeutet das: Für jede Bauphase wird geprüft, ob von jedem Arbeitsplatz ein sicherer Weg ins Freie oder in einen gesicherten Bereich führt. Wo ein zweiter Rettungsweg fehlt, braucht es Ersatzlösungen wie zusätzliche Gerüsttreppen oder Treppentürme. Rettungswege werden gekennzeichnet, beleuchtet und täglich kontrolliert.
Die häufigste Schwachstelle ist nicht die Planung, sondern das Freihalten. Paletten, Kabeltrommeln und abgestellte Geräte verstellen Wege schneller, als ein Plan aktualisiert wird. Eine klare Materialflussplanung mit festen Ablageflächen hilft hier mehr als jeder Aushang.
Die Zeit zwischen Notruf und Eintreffen am Verletzten entscheidet. Auf großen oder unübersichtlichen Baustellen geht viel davon verloren, weil der Rettungsdienst die richtige Zufahrt nicht findet, ein Tor verschlossen ist oder Lkw die Zufahrt blockieren. Das Konzept legt deshalb fest, wie der Weg von der öffentlichen Straße bis zum Unfallort aussieht.
Bewährt hat sich ein fester Treffpunkt mit eindeutiger Adresse, an dem eine eingewiesene Person den Rettungsdienst empfängt und lotst. Bei weitläufigen Baustellen, wie im Straßen- oder Leitungsbau in Schleswig-Holstein und Niedersachsen, sind markierte Stationierungspunkte oder Koordinaten hilfreich, die beim Notruf genannt werden können. Feuerwehrzufahrten und Aufstellflächen orientieren sich an den Vorgaben der Bauaufsicht und der örtlichen Feuerwehr, meist auf Grundlage der DIN 14090.
| Frage | Antwort im Konzept |
|---|---|
| Welche Adresse wird beim Notruf genannt? | Straße, Tor-Nummer, Treffpunkt |
| Wer empfängt den Rettungsdienst? | Pförtner, Torposten oder benannter Lotse |
| Ist die Zufahrt jederzeit frei? | Halteverbot, Wartezone für Lkw außerhalb |
| Wie kommt die Trage zum Verletzten? | Aufzug, Treppenturm, Kran mit Rettungskorb nach Absprache |
| Wer informiert die Bauleitung? | Meldekette im Alarmplan |
Bei Baustellen mit Zugangskontrolle ist das Torpersonal eine wichtige Stütze: Es kennt die Zufahrten, kann Lieferverkehr stoppen und den Rettungsdienst direkt einweisen. Vertiefend dazu der Ratgeber zu Rettungskonzept und Rettungszufahrt.
Bis der Rettungsdienst da ist, sind die Menschen auf der Baustelle auf sich gestellt. Wie lange das dauert, hängt von Lage und Verkehr ab. In entlegenen Gebieten oder auf großen Arealen kann die Rettungskette deutlich länger sein als in der Stadt. Umso wichtiger sind ausreichend Ersthelfer in allen Schichten, gut erreichbares Erste-Hilfe-Material und ein klarer Meldeweg.
Der Alarmplan sollte so einfach sein, dass ihn auch neue Mitarbeiter und Beschäftigte von Nachunternehmern verstehen. Mehrsprachige Aushänge oder Piktogramme sind auf Baustellen mit vielen Nationalitäten sinnvoll. Ab einer gewissen Größe oder bei besonderen Gefährdungen kommen Betriebssanitäter hinzu, die bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes erweiterte Erste Hilfe leisten.
Ein Konzept, das nur im Ordner liegt, hilft im Ernstfall nicht. Die Arbeitsstättenverordnung verlangt, nach dem Flucht- und Rettungsplan in angemessenen Zeitabständen zu üben. Auf der Baustelle bieten sich kurze, praxisnahe Übungen an: Ein Räumungsalarm mit Vollzähligkeitskontrolle, eine Probefahrt des Rettungsdienstes über die Zufahrt oder eine Übung zur Rettung aus Höhe mit dem Gerüstbauer.
Neue Beschäftigte werden bei Arbeitsbeginn unterwiesen, auch die Mitarbeiter von Nachunternehmern. Die Fortschreibung erfolgt immer dann, wenn sich der Bauablauf wesentlich ändert: neuer Bauabschnitt, Umbau der Zufahrt, Wechsel von Rohbau zu Ausbau, Inbetriebnahme von Aufzügen oder Treppenhäusern. Jede Änderung wird in Plänen und Aushängen nachgezogen und mit Datum versehen.
Baulogistik Nord unterstützt mit Betriebssanitätern und Brandschutzhelfern, mit Zugangskontrolle an den Toren und bei der Abstimmung von Rettungswegen mit der Logistikplanung. So bleibt das Konzept im Alltag lebendig.
Ein Dokument mit genau diesem Namen ist nicht überall ausdrücklich gefordert. Die Inhalte, also Erste Hilfe, Rettungswege, Alarmierung und Evakuierung, muss jedoch jeder Arbeitgeber nach Arbeitsschutzgesetz regeln. Auf größeren Baustellen fasst man sie sinnvoll in einem Konzept zusammen.
Verantwortlich sind die Arbeitgeber, auf Baustellen mit mehreren Firmen koordiniert durch Bauherr oder Generalunternehmer und den SiGe-Koordinator. Die Erstellung kann an Fachleute vergeben werden. Wichtig ist, dass Bauleitung und Logistik eng eingebunden sind.
Immer dann, wenn sich Wege, Zufahrten oder Bauphasen wesentlich ändern. Auf schnell wachsenden Hochbauprojekten kann das alle paar Wochen sein. Eine feste Prüfung in der regelmäßigen Baustellenbesprechung hilft, nichts zu übersehen.
Bei Arbeiten mit persönlicher Schutzausrüstung gegen Absturz muss vorher geklärt sein, wie eine abgestürzte und hängende Person schnell gerettet wird. Dazu gehören Rettungsgerät, unterwiesene Personen und ein geübter Ablauf. Auf den Rettungsdienst allein zu warten, reicht hier nicht.
Das ist nur mit dafür zugelassenen Personenaufnahmemitteln und nach vorheriger Abstimmung möglich. Ob und wie der Kran genutzt wird, sollte im Konzept mit Kranbetreiber und Feuerwehr geklärt sein. Im Zweifel entscheidet die Feuerwehr vor Ort.
Wir planen und betreiben die Logistik Ihrer Baustelle, bundesweit.