Sie erfahren, wie viele Ersthelfer und ab wann Betriebssanitäter nötig sind, welches Material und welche Räume vorgeschrieben sind und wie Sie die Rettungskette auf einer wechselnden Baustelle organisieren.
Von Manuel Rutsch · Stand: 9. Oktober 2026
Auf einer Baustelle sind Verletzungen oft schwerer als im Büro: Stürze aus der Höhe, Quetschungen an Maschinen, Schnittverletzungen, Verbrennungen beim Schweißen. Gleichzeitig ist der Weg zum Verletzten länger. Er liegt vielleicht im fünften Obergeschoss eines Rohbaus, in einer Baugrube oder am Ende einer kilometerlangen Linienbaustelle.
Die Minuten bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes überbrücken die Menschen vor Ort. Ob ein Verletzter in dieser Zeit richtig versorgt wird, hängt davon ab, ob Ersthelfer da sind, ob sie das Material finden und ob der Rettungsdienst den Weg zur Unfallstelle kennt. All das lässt sich planen, und zwar lange bevor etwas passiert.
Erste Hilfe im Betrieb ist in mehreren Regelwerken geregelt. Die Grundpflicht steht im Arbeitsschutzgesetz: Der Arbeitgeber muss Maßnahmen zur Ersten Hilfe treffen. Konkret wird es in der DGUV Vorschrift 1 der Unfallversicherungsträger und in der Arbeitsstättenverordnung mit der Technischen Regel ASR A4.3.
| Regelwerk | Inhalt für die Baustelle |
|---|---|
| ArbSchG § 10 | Grundpflicht zu Erster Hilfe, Brandbekämpfung und Evakuierung, Benennung der zuständigen Beschäftigten |
| DGUV Vorschrift 1 § 24 bis § 28 | Organisation der Ersten Hilfe, Meldeeinrichtungen, Zahl und Ausbildung von Ersthelfern und Betriebssanitätern, Pflichten der Versicherten |
| ArbStättV mit ASR A4.3 | Erste-Hilfe-Material, Erste-Hilfe-Räume und vergleichbare Einrichtungen, Sonderregeln für Baustellen |
| BaustellV | Bei mehreren Arbeitgebern: Abstimmung der Maßnahmen über den SiGe-Koordinator und den SiGe-Plan |
| SGB VII § 193 | Unfallanzeige bei Arbeitsunfähigkeit von mehr als drei Kalendertagen |
Wichtig: Diese Pflichten treffen jeden Arbeitgeber für seine eigenen Beschäftigten. Auf einer Baustelle mit vielen Firmen müssen die Maßnahmen deshalb abgestimmt werden. Diese Abstimmung ist eine typische Aufgabe der SiGe-Koordination.
Die DGUV Vorschrift 1 legt Mindestzahlen fest. Baustellen zählen dabei nicht zu den Verwaltungs- und Handelsbetrieben, sondern zu den sonstigen Betrieben mit höherer Quote.
| Anwesende Versicherte | Mindestens erforderlich |
|---|---|
| 2 bis 20 | 1 Ersthelfer |
| mehr als 20 | 10 Prozent der Anwesenden als Ersthelfer |
| mehr als 100 auf einer Baustelle | zusätzlich mindestens 1 Betriebssanitäter |
Gerechnet wird mit den Personen, die tatsächlich anwesend sind, nicht mit der Gesamtbelegschaft. Das hat Folgen für den Alltag: Urlaub, Krankheit, Schichtbetrieb und wechselnde Einsatzorte müssen berücksichtigt werden. Wer genau zwei Ersthelfer für zwanzig Leute benennt, steht ohne Ersthelfer da, sobald einer fehlt.
Ein Beispiel aus der Praxis: Auf einer Wohnungsbaustelle in Kiel arbeiten im Ausbau 45 Personen aus sechs Firmen. Jede Firma muss für ihre Leute sorgen. Ein Trockenbauer mit acht Monteuren braucht mindestens einen Ersthelfer, ein Elektrobetrieb mit drei Leuten ebenfalls. In der Summe sind oft mehr Ersthelfer vor Ort als gefordert, aber nur, wenn alle Firmen das ernst nehmen. Eine Übersicht im Baucontainer schafft Klarheit.
Als Ersthelfer gilt nur, wer bei einer von den Unfallversicherungsträgern ermächtigten Stelle ausgebildet wurde. Die Grundausbildung umfasst neun Unterrichtseinheiten. Danach muss innerhalb von zwei Jahren eine Fortbildung mit ebenfalls neun Unterrichtseinheiten folgen, damit die Qualifikation erhalten bleibt. Die Lehrgangsgebühren übernimmt in der Regel der zuständige Unfallversicherungsträger, die Freistellung trägt der Arbeitgeber.
Für Betriebssanitäter ist der Weg deutlich länger: ein Grundlehrgang mit 63 Unterrichtseinheiten und ein Aufbaulehrgang mit 32 Unterrichtseinheiten, jeweils mit Prüfung. Die Fortbildung umfasst 16 Unterrichtseinheiten innerhalb von drei Jahren.
| Funktion | Ausbildung | Fortbildung |
|---|---|---|
| Ersthelfer | 9 Unterrichtseinheiten | 9 Unterrichtseinheiten innerhalb von 2 Jahren |
| Betriebssanitäter | 63 plus 32 Unterrichtseinheiten mit Prüfung | 16 Unterrichtseinheiten innerhalb von 3 Jahren |
Ein häufiger Fehler: Der Ersthelferschein ist abgelaufen, weil die Fortbildung vergessen wurde. Führen Sie eine einfache Liste mit Namen, Firma und Gültigkeit und prüfen Sie sie bei der Baustelleneinweisung neuer Firmen.
Sind auf einer Baustelle mehr als 100 Versicherte anwesend, ist mindestens ein Betriebssanitäter erforderlich. Diese Pflicht greift nach der DGUV Vorschrift 1 auch dann, wenn ein Unternehmer Arbeiten an Nachunternehmer vergeben hat und insgesamt mehr als 100 Personen gleichzeitig tätig sind. Auf großen Hochbau- und Infrastrukturbaustellen, etwa beim Bau von Logistikzentren in Niedersachsen oder bei Brückenbauten in Schleswig-Holstein, wird diese Grenze schnell erreicht.
Der Betriebssanitäter ist mehr als ein besonders gut ausgebildeter Ersthelfer. Er übernimmt die qualifizierte Erstversorgung bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes, kennt die Baustelle, prüft und ergänzt das Erste-Hilfe-Material, führt die Dokumentation und weist den Rettungsdienst ein. Wie ein Sanitätsdienst auf Großbaustellen organisiert wird, beschreiben wir in einem eigenen Ratgeber.
Die ASR A4.3 enthält für Baustellen eigene Mindestwerte für Verbandkästen. Der kleine Verbandkasten entspricht DIN 13157, der große DIN 13169.
| Beschäftigte auf der Baustelle | Verbandkästen |
|---|---|
| 1 bis 10 | 1 kleiner Verbandkasten |
| 11 bis 50 | 1 großer Verbandkasten |
| 51 bis 100 | 2 große Verbandkästen |
| je weitere 50 | 1 zusätzlicher großer Verbandkasten |
Kontrollieren Sie den Inhalt der Verbandkästen regelmäßig. Auf Baustellen wird Material schnell verbraucht und selten nachgefüllt. Abgelaufene sterile Produkte und leere Pflasterfächer sind bei Begehungen ein häufiger Befund.
Die Rettungskette beschreibt den Weg vom Unfall bis zur Behandlung im Krankenhaus. Auf der Baustelle reißt sie meist an zwei Stellen: beim Notruf und an der Zufahrt.
Die genaue Adresse ist auf großen Baustellen oft nicht eindeutig. Legen Sie eine Anfahrtsbeschreibung mit Torbezeichnung fest und hängen Sie sie neben jedes Telefon und jeden Verbandkasten. Halten Sie die Rettungszufahrt frei, auch wenn gerade Material angeliefert wird. Wie Zufahrt, Aufstellflächen und Rettung aus dem Baufeld zusammenpassen, zeigt der Ratgeber zu Rettungskonzept und Rettungszufahrt. Das Torpersonal einer Zugangskontrolle kann die Einweisung übernehmen, wenn dies vorher festgelegt und geübt ist.
Jede Erste-Hilfe-Leistung wird dokumentiert, auch das Pflaster für den kleinen Schnitt. Dafür reicht ein Verbandbuch oder ein Meldeblock. Die Aufzeichnungen sind nach der DGUV Vorschrift 1 fünf Jahre lang aufzubewahren und vertraulich zu behandeln, weil sie Gesundheitsdaten enthalten.
Führt ein Arbeitsunfall zu einer Arbeitsunfähigkeit von mehr als drei Kalendertagen, ist eine Unfallanzeige an den Unfallversicherungsträger Pflicht. Verletzte sollten nach einem Arbeitsunfall in der Regel einem Durchgangsarzt vorgestellt werden. Die Dokumentation schützt auch den Beschäftigten: Zeigt sich eine Spätfolge, ist der Zusammenhang mit dem Arbeitsunfall belegt.
Baulogistik Nord, ein Leistungsbereich der Staffsec Solution GmbH, stellt Betriebssanitäter und Brandschutzhelfer für Baustellen und dokumentiert Einsätze in digitalen Berichten. Für Ihr Projekt erstellen wir gern ein Angebot.
Jeder Arbeitgeber muss für seine eigenen Beschäftigten ausreichend Ersthelfer stellen. Für die Betriebssanitäter-Pflicht ab mehr als 100 Anwesenden zählen bei vergebenen Bauleistungen die insgesamt gleichzeitig tätigen Personen. Die Abstimmung zwischen den Firmen erfolgt am besten über die SiGe-Koordination.
Die Qualifikation bleibt erhalten, wenn innerhalb von zwei Jahren eine Fortbildung mit neun Unterrichtseinheiten besucht wird. Wird die Frist überschritten, gilt die Person nicht mehr als Ersthelfer im Sinne der DGUV Vorschrift 1.
Eine allgemeine Pflicht gibt es nicht. Auf großen Baustellen oder bei langen Anfahrtswegen für den Rettungsdienst wird ein Defibrillator häufig über die Gefährdungsbeurteilung vorgesehen. Wichtig ist dann, dass der Standort bekannt und gekennzeichnet ist.
Meist nicht. Die ASR A4.3 verlangt, dass Erste-Hilfe-Material schnell erreichbar ist. Auf großen oder weitläufigen Baustellen gehören Verbandkästen in die Arbeitsbereiche, auf Linienbaustellen entlang der Strecke.
Ja. Jede Erste-Hilfe-Leistung wird im Verbandbuch oder Meldeblock erfasst und fünf Jahre aufbewahrt. So lässt sich später belegen, dass eine Verletzung bei der Arbeit entstanden ist.
Ein Dienstleister kann Betriebssanitäter stellen und Material sowie Erste-Hilfe-Räume betreuen. Die Pflicht des Arbeitgebers, eigene Ersthelfer zu benennen, bleibt davon unberührt. Die Aufgabenverteilung sollte schriftlich festgelegt werden.
Wir planen und betreiben die Logistik Ihrer Baustelle, bundesweit.