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Planung und Logistikkonzept8 Min.

Logistikkonzept erstellen: Schritt für Schritt zur geordneten Baustelle

Sie erfahren, wann Sie mit dem Logistikkonzept beginnen sollten, welche Informationen Sie brauchen, wie Sie Flächen, Verkehr und Regeln festlegen und wie das Konzept während der Bauzeit lebendig bleibt.

Von Manuel Rutsch · Stand: 9. Oktober 2026

Wozu ein Logistikkonzept dient und wann Sie anfangen

Ein Logistikkonzept beschreibt, wie Menschen, Material, Fahrzeuge und Abfall auf eine Baustelle kommen, sich dort bewegen und sie wieder verlassen. Es legt fest, welche Flächen wofür genutzt werden, wer wann anliefern darf, wie Kran und Aufzug verteilt werden und wer für was zuständig ist. Kurz gesagt: Es übersetzt den Terminplan in einen täglichen Versorgungsplan.

Der richtige Zeitpunkt liegt früher, als viele denken. Erste Überlegungen gehören schon in die Entwurfsplanung, weil dort über Grundstücksausnutzung, Bauweise und Vorfertigungsgrad entschieden wird. Spätestens mit der Ausschreibung muss das Konzept so weit stehen, dass Nachunternehmer wissen, unter welchen Bedingungen sie liefern und arbeiten. Wer erst nach Baubeginn plant, regelt nur noch Engpässe.

Vom Baulogistikhandbuch unterscheidet sich das Konzept im Zweck: Das Konzept ist die planerische Grundlage mit Varianten und Begründungen. Das Handbuch ist die verbindliche Arbeitsanweisung für alle Firmen auf der Baustelle, die aus dem Konzept abgeleitet wird.

Schritt 1: Bestandsaufnahme vor Ort und am Schreibtisch

Am Anfang steht ein ehrlicher Blick auf das, was da ist. Ein Ortstermin ersetzt dabei keine Planunterlage und umgekehrt. Folgende Punkte sollten Sie geklärt haben:

  • Grundstück: nutzbare Fläche, Höhenlage, Tragfähigkeit des Bodens, Bestandsgebäude, Bäume mit Schutzbereich
  • Umgebung: Nachbarbebauung, Schulen, Krankenhäuser, Wohnnutzung mit Ruhebedürfnis, Gewerbe mit eigenem Lieferverkehr
  • Straßennetz: Zufahrten, Durchfahrtshöhen und Brückenlasten, Einbahnstraßen, Busspuren, Radwege, Wendemöglichkeiten
  • Öffentlicher Raum: Gehwege, Parkstände, Leitungen im Straßenraum, Haltestellen
  • Medien: Anschlusspunkte für Baustrom, Bauwasser und Abwasser
  • Auflagen: Baugenehmigung, Lärmschutz nach AVV Baulärm, naturschutzrechtliche Vorgaben, Denkmalschutz
  • Projektdaten: Bauzeitenplan, Bauabschnitte, Bauweise, Grad der Vorfertigung

Ein typisches Beispiel für einen innerstädtischen Wohnungsbau, etwa in Kiel oder Lübeck: Erst beim Ortstermin fällt auf, dass die einzige geeignete Zufahrt durch eine Straße mit Gewichtsbeschränkung führt. Damit ändern sich Fahrzeugwahl, Liefermengen und Kranplanung. Solche Erkenntnisse kosten am Anfang wenig Aufwand, nach Baubeginn dagegen Zeit und Umplanung.

Schritt 2: Mengen und Bedarfe der Gewerke ermitteln

Ohne Mengengerüst bleibt jedes Logistikkonzept eine Schätzung. Ermitteln Sie je Bauphase, was in welchem Umfang auf die Baustelle muss und was sie wieder verlässt. Die Gewerke kennen ihre Bedarfe oft besser als jeder Planer, deshalb lohnt eine strukturierte Abfrage:

BereichWas Sie abfragenWofür Sie es brauchen
Erdbau und GründungAushubmengen, Fahrzeugtypen, BodenklassenFahrzeugspitzen, Bodenmanagement, Reinigung der Straße
RohbauBetonmengen, Bewehrung, Fertigteile, SchalungKranlasten, Pumpenstandorte, Liefertakte
FassadeElementgrößen, Gewichte, MontagereihenfolgeGroßfahrzeuge, Hebegeräte, Zwischenlager
Technische GebäudeausrüstungGroßkomponenten, Rohrbündel, EinbringwegeSchächte, Öffnungen, Sondertransporte
AusbauPlattenmaterial, Estrich, Fenster, TürenGeschosslager, Bauaufzug, Lieferfenster
Alle GewerkePersonalstärke je Woche, ContainerbedarfSozialflächen, Zugangskontrolle, Parken

Aus diesen Angaben entsteht ein Belastungsbild über die Bauzeit: Wann kommen die meisten Fahrzeuge, wann ist der Kran am stärksten gefragt, wann sind die meisten Menschen gleichzeitig auf der Baustelle? Diese Spitzen bestimmen die Auslegung, nicht der Durchschnitt.

Schritt 3: Flächen festlegen und zeichnen

Jetzt wird das Konzept räumlich. Im BE-Plan erhalten alle Nutzungen einen festen Ort. Wichtig ist, dass Sie nicht einen Plan zeichnen, sondern einen je Bauphase. Die Fläche einer Baugrube sieht völlig anders aus als die desselben Grundstücks im Ausbau.

Bewährt hat sich folgende Reihenfolge beim Belegen der Fläche:

  • Rettungswege und Flächen für die Feuerwehr zuerst, sie sind nicht verhandelbar
  • Standorte der Hebegeräte, weil sie Reichweiten und Lastbereiche vorgeben
  • Zufahrt, Tor und interne Fahrwege mit Wendemöglichkeit
  • Abladestellen und Umschlagflächen im Lastbereich des Krans
  • Lager- und Pufferflächen, getrennt nach Gewerk oder Bauabschnitt
  • Sammelstellen für Abfälle mit Platz für mehrere Fraktionen
  • Sozialeinrichtungen, Büros und Parkflächen am Rand des Geschehens

Auf engen Grundstücken in Hamburg, Berlin oder Bremen reicht die Fläche selten für alles. Dann müssen Sie entscheiden, was außerhalb liegen darf: Material in einem vorgelagerten Umschlagplatz, Personal in einem Containerdorf in der Nähe, Lagerung direkt in den fertigen Geschossen. Mehr dazu im Ratgeber Lagerflächen auf engem Grundstück.

Schritt 4: Verkehrsführung außen und innen

Die Verkehrsführung hat zwei Seiten. Außen geht es um den öffentlichen Straßenraum, innen um die Wege auf dem Baufeld. Beide müssen zusammenpassen, sonst staut sich der Verkehr am Tor zurück in die Straße.

Außen brauchen Sie für Eingriffe in den Straßenraum in der Regel eine Sondernutzungserlaubnis nach dem Straßen- und Wegegesetz des jeweiligen Landes und eine verkehrsrechtliche Anordnung der Straßenverkehrsbehörde nach § 45 StVO. Dazu gehört ein Verkehrszeichenplan, der sich an den RSA 21 orientiert. Die Vorlaufzeiten sind je nach Stadt sehr unterschiedlich und gehören in den Terminplan. Den Ablauf beschreibt der Ratgeber zur verkehrsrechtlichen Anordnung.

Innen legen Sie fest, wo Fahrzeuge fahren, wo Fußgänger gehen und wo sich beide begegnen. Fahrwege sollten möglichst als Rundkurs oder mit ausreichender Wendefläche angelegt sein, damit Lkw nicht rückwärts über die Baustelle müssen. Für Verkehrswege auf der Baustelle gelten die Anforderungen der Arbeitsstättenverordnung und der zugehörigen Technischen Regeln.

  • Anfahrtsroute für Lieferanten festlegen und mitschicken
  • Wartezone oder Pufferfläche vor dem Tor einplanen
  • Fußwege baulich vom Fahrverkehr trennen, wo es möglich ist
  • Rückwärtsfahren durch Einweiser absichern, wenn es sich nicht vermeiden lässt
  • Reifenreinigung oder Kehrdienst einplanen, wenn Erdbau läuft

Schritt 5: Regeln für Anlieferung, Lager, Entsorgung und Zugang

Flächen und Wege allein ordnen noch keine Baustelle. Erst verbindliche Regeln sorgen dafür, dass alle Firmen gleich handeln. Das Konzept sollte zu jedem Bereich eine klare Regel enthalten:

BereichTypische RegelWorauf Sie achten sollten
AnlieferungNur mit Avis und gebuchtem ZeitfensterVorlauf, Umgang mit Verspätungen, Sperrzeiten
AbladenNur an zugewiesenen AbladestellenWer stellt Stapler und Personal?
LagerungFläche je Firma mit Kennzeichnung und RäumfristWas geschieht mit liegengebliebenem Material?
Kran und AufzugBelegung nach Plan, Vorrang festgelegtWer entscheidet bei Konflikten?
EntsorgungGetrennte Sammlung nach FraktionenDokumentation nach Gewerbeabfallverordnung
ZugangNur mit Baustellenausweis und UnterweisungKontrolle am Tor, Umgang mit Besuchern

Die Regeln müssen zur Baustelle passen. Ein Wohnungsbau mit wenigen Firmen braucht kein ausgefeiltes Buchungssystem, eine Großbaustelle mit vielen Nachunternehmern dagegen schon. Entscheidend ist, dass jede Regel kontrolliert wird. Eine Avispflicht ohne Kontrolle am Tor wird nach wenigen Tagen ignoriert.

Schritt 6: Rollen, Zuständigkeiten und Kostenverteilung

Ein Konzept ohne Verantwortliche bleibt Papier. Legen Sie fest, wer welche Aufgabe übernimmt und mit welchen Befugnissen. Hilfreich ist eine einfache Übersicht:

  • Bauherr: stellt Grundlagen bereit, entscheidet über Budget und Grundsatzfragen
  • Generalunternehmer oder Bauleitung: verantwortet die Umsetzung und setzt die Regeln gegenüber den Nachunternehmern durch
  • Logistikkoordination: plant Zeitfenster, Flächen und Kranbelegung, führt den täglichen Abgleich mit dem Baufortschritt
  • Operatives Personal: Torposten, Einweiser, Staplerfahrer und Logistiker setzen die Regeln vor Ort um
  • SiGe-Koordination: stimmt Verkehrswege, Lagerflächen und Gefährdungen mit dem SiGe-Plan nach Baustellenverordnung ab
  • Nachunternehmer: melden Bedarfe rechtzeitig, halten sich an Avis, Flächen und Räumfristen

Ebenso wichtig ist die Frage, wer die gemeinsamen Logistikleistungen bezahlt. Häufig werden sie über eine Umlage auf die Nachunternehmer verteilt, die bereits im Vertrag stehen muss. Nach VOB/C ist zu prüfen, was als Nebenleistung ohnehin geschuldet ist und was als Besondere Leistung gesondert beschrieben werden muss. Hinweise dazu gibt der Ratgeber zur Logistikumlage für Nachunternehmer.

Schritt 7: Abstimmen, verankern und fortschreiben

Das fertige Konzept wird mit allen Beteiligten abgestimmt, bevor es verbindlich wird: Bauherr, Planer, Bauleitung, SiGe-Koordination und, soweit schon bekannt, die wichtigsten Nachunternehmer. Danach wird es in die Verträge übernommen und in ein Handbuch für die Baustelle übersetzt.

Ein Logistikkonzept ist nie fertig. Bauphasen wechseln, Lieferanten fallen aus, der Terminplan verschiebt sich. Planen Sie deshalb feste Überprüfungen ein, etwa bei jedem Phasenwechsel und in der wöchentlichen Baubesprechung. Kennzahlen wie Wartezeiten am Tor, Anteil avisierter Lieferungen und belegte Lagerflächen zeigen früh, wo das Konzept nachgeschärft werden muss.

Diese Fehler führen in der Praxis am häufigsten zu Nachbesserungen:

  • Konzept allein im Büro schreiben, ohne die Gewerke einzubinden
  • Nur einen Flächenplan für die ganze Bauzeit zeichnen statt je Phase
  • Genehmigungsvorlauf für Straßenraum unterschätzen
  • Regeln aufstellen, aber keine Kontrolle vor Ort vorsehen
  • Kostenverteilung erst nach Vertragsschluss klären

Eine kompakte Prüfliste für den Start bietet die Checkliste Baulogistik. Baulogistik Nord, ein Leistungsbereich der Staffsec Solution GmbH, erstellt Logistikkonzepte und begleitet ihre Umsetzung auf Baustellen in Norddeutschland und bundesweit.

Häufige Fragen

Wer sollte das Logistikkonzept erstellen?

Am besten jemand mit praktischer Erfahrung in Baulogistik, der eng mit Bauleitung, Planern und Gewerken zusammenarbeitet. Auf größeren Projekten übernimmt das häufig ein spezialisierter Logistikplaner im Auftrag des Bauherrn oder Generalunternehmers. Wichtig ist, dass dieselbe Stelle das Konzept später auch fortschreibt.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für das Logistikkonzept?

Erste Grundzüge gehören in die Entwurfsplanung, weil dort Bauweise und Grundstücksnutzung festgelegt werden. Spätestens zur Ausschreibung muss das Konzept stehen, damit Nachunternehmer die Bedingungen kennen und einpreisen können. Danach wird es mit jeder Bauphase fortgeschrieben.

Was ist der Unterschied zwischen Logistikkonzept und Baustelleneinrichtungsplan?

Der Baustelleneinrichtungsplan zeigt, wo sich Flächen, Geräte und Container befinden. Das Logistikkonzept geht weiter und regelt zusätzlich Abläufe, Zeiten, Zuständigkeiten und Regeln für Anlieferung, Lagerung und Entsorgung. Der BE-Plan ist damit ein Bestandteil des Konzepts.

Brauche ich für jede Baustelle ein Logistikkonzept?

Eine kleine Baustelle mit wenigen Firmen kommt mit einer kurzen Festlegung von Zufahrt, Lagerflächen und Anlieferzeiten aus. Je enger das Grundstück, je mehr Firmen und je stärker der Straßenraum betroffen ist, desto wichtiger wird ein ausgearbeitetes Konzept. In Innenstadtlagen ist es praktisch unverzichtbar.

Welche Genehmigungen hängen am Logistikkonzept?

Typisch sind die Sondernutzungserlaubnis für den öffentlichen Straßenraum und die verkehrsrechtliche Anordnung für Absperrungen und Halteverbote. Je nach Projekt kommen Ausnahmegenehmigungen für Großfahrzeuge oder Auflagen zum Lärm- und Naturschutz hinzu. Die Vorlaufzeiten sollten Sie früh bei den zuständigen Behörden erfragen.

Wie oft muss das Logistikkonzept angepasst werden?

Mindestens bei jedem Wechsel der Bauphase, also etwa vom Erdbau zum Rohbau und vom Rohbau zum Ausbau. Dazu kommen Anpassungen, wenn sich Termine oder Lieferketten deutlich ändern. Kennzahlen aus dem laufenden Betrieb zeigen, wann ein Nachschärfen nötig ist.

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