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Wareneingangskontrolle

Sie wissen danach, was bei der Anlieferung geprüft wird, wer das übernimmt und wie Sie Abweichungen festhalten, damit Ansprüche erhalten bleiben.

Von Manuel Rutsch · Stand: 9. Oktober 2026

Begriff

Die Wareneingangskontrolle ist die Prüfung gelieferten Materials bei der Annahme auf der Baustelle. Geprüft werden Menge, Art und äußerlich erkennbarer Zustand, abgeglichen mit Bestellung und Lieferschein. Sie ist der Moment, in dem Verantwortung für die Ware übergeht. Was hier nicht auffällt, ist später schwer nachzuweisen.

Für Geschäfte zwischen Kaufleuten verlangt § 377 HGB, dass gelieferte Ware unverzüglich untersucht und ein erkennbarer Mangel unverzüglich angezeigt wird. Wer das versäumt, kann Ansprüche verlieren. Für Baustoffe, die ein Bauunternehmen kauft, ist das daher mehr als eine Formalie.

Ablauf an der Abladestelle

  • Fahrzeug am Tor mit dem Lieferavis abgleichen und zur Abladestelle leiten.
  • Lieferschein entgegennehmen: Besteller, Baustelle, Artikel, Menge, Gewerk.
  • Stückzahl oder Palettenzahl zählen, bei Schüttgut Wiegeschein prüfen.
  • Sichtprüfung: Bruch, Nässe, verrutschte Ladung, beschädigte Verpackung.
  • Abweichungen auf dem Lieferschein vermerken und vom Fahrer gegenzeichnen lassen, dazu Fotos machen.
  • Ware dem Gewerk melden und an den vereinbarten Lagerplatz bringen.
  • Lieferschein an Bauleitung oder Einkauf weitergeben, digital oder im Original.

Die Sichtprüfung ersetzt keine Fachprüfung. Ob Bewehrungsstahl der richtigen Güte oder Fenster mit den richtigen Maßen geliefert wurden, beurteilt das zuständige Gewerk. Die Logistik sorgt dafür, dass die Information rechtzeitig dort ankommt.

Was geprüft wird und wer prüft

PrüfpunktZuständigTypischer Befund
Menge und StückzahlLogistik oder TorpostenFehlmenge, Teillieferung
Äußerer ZustandLogistikTransportschaden, Nässe
Richtiger ArtikelGewerkfalsche Ausführung, Farbe, Maß
LieferzeitLogistikunangemeldet, außerhalb des Zeitfensters
BegleitpapiereGewerk oder Bauleitungfehlende Leistungserklärung oder Prüfzeugnis

Auf großen Baustellen mit vielen Gewerken übernimmt oft ein zentrales Logistikteam die Annahme. Das entlastet die Poliere, setzt aber klare Regeln voraus: Wer darf annehmen, wer unterschreibt, wohin geht der Lieferschein. Ohne diese Regeln liegen Lieferscheine im Container, und Fehlmengen fallen erst beim Einbau auf.

Typische Fehler und Praxis

Häufig wird ungeprüft unterschrieben, weil der Fahrer drängt. Ebenso oft fehlt ein Foto, oder der Vermerk lautet nur „unter Vorbehalt“, ohne den konkreten Befund. Ein dritter Fehler: Die Ware wird angenommen, obwohl niemand sie bestellt hat, und blockiert dann tagelang eine Fläche.

Ein Beispiel aus einer Wohnbaustelle in Kiel: Gipskartonplatten kamen bei Regen auf offener Pritsche. Der Logistiker vermerkte nasse Kanten auf dem Lieferschein, fotografierte die Paletten und informierte den Trockenbauer. Der Lieferant tauschte die Platten aus, ohne dass der Einbau verschoben werden musste.

Mit unserer operativen Baulogistik stellen wir Personal für Annahme, Prüfung und Verteilung. Wie sich Anlieferungen insgesamt planen lassen, zeigt der Ratgeber Lieferavis richtig einführen.

Fragen zum Begriff

Muss jede Lieferung sofort vollständig geprüft werden?

Menge und äußerlich erkennbarer Zustand sollten bei der Annahme geprüft werden. Verdeckte Mängel, die erst beim Auspacken sichtbar werden, sind unverzüglich nach Entdeckung zu melden.

Was tun, wenn der Fahrer nicht warten will?

Den Befund trotzdem auf dem Lieferschein vermerken und fotografieren. Unterschreiben Sie nur das, was Sie geprüft haben, und informieren Sie zeitnah den Besteller.

Darf der Torposten Ware annehmen?

Wenn das so geregelt ist, ja. Er sollte dann klar wissen, was er prüft, wie er Abweichungen vermerkt und an wen der Lieferschein geht. Die fachliche Prüfung bleibt beim Gewerk.

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