Sie wissen danach, wie ein Arbeitstag in dieser Rolle aussieht, welche Aufgaben dazugehören und welche Erfahrung Bauleitungen von einem guten Koordinator erwarten dürfen.
Von Manuel Rutsch · Stand: 9. Oktober 2026
Der Logistikkoordinator ist auf größeren Baustellen die Person, bei der alle Fragen rund um Anlieferung, Lagerung und Wege zusammenlaufen. Er ist nicht Bauleiter und nicht Polier. Er plant keine Bauabläufe und gibt keine fachlichen Anweisungen an Gewerke. Seine Aufgabe ist, dass Material, Fahrzeuge und Geräte zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind, ohne dass sich die Gewerke gegenseitig im Weg stehen.
Auf einem Wohnungsbau mit fünf Gewerken klingt das einfach. Auf einem innerstädtischen Bürobau mit zwölf Firmen, einer Ladezone im Straßenraum und zwei Turmdrehkranen wird daraus ein Vollzeitjob, der viel Erfahrung verlangt.
Der Tag beginnt vor der ersten Anlieferung. Der Koordinator prüft den Lieferplan, gleicht ihn mit dem Kranplan ab und spricht mit dem Torposten kurz die Besonderheiten durch: Sondertransport um acht, Betonpumpe ab zehn, Zufahrt Nord bis Mittag gesperrt.
| Zeit | Aufgabe |
|---|---|
| vor Arbeitsbeginn | Lieferplan und Kranbelegung abgleichen, Zufahrten und Lagerflächen prüfen |
| Vormittag | Anlieferungen begleiten, Abweichungen klären, Fahrzeuge umleiten oder nachsteuern |
| Mittag | Kurze Abstimmung mit Polieren der Gewerke, Bedarf für die Folgetage aufnehmen |
| Nachmittag | Zeitfenster für morgen vergeben, Lagerflächen neu ordnen, Restmaterial zurückführen |
| Tagesende | Tagesbericht: Anlieferungen, Störungen, offene Punkte für die Bauleitung |
Dazwischen klingelt ständig das Telefon. Ein Fahrer findet die Einfahrt nicht, ein Gewerk will spontan zwei Paletten mehr anliefern, die Kranführerin meldet Wind. Ein guter Koordinator entscheidet schnell, bleibt ruhig und hält seine Entscheidungen schriftlich fest.
Viele Koordinatoren arbeiten mit einer Wochen- und Tagesplanung im Stil des Last Planner Systems. Die Gewerke sagen zu, was sie in der kommenden Woche brauchen, und der Koordinator macht daraus einen belastbaren Anlieferplan.
In der Praxis verschwimmen die Grenzen gern. Das führt zu Lücken oder zu doppelten Anweisungen. Eine klare Abgrenzung gehört deshalb in jede Baustellenordnung.
| Rolle | Verantwortet | Nicht seine Aufgabe |
|---|---|---|
| Bauleitung | Termine, Kosten, Vertrag, fachliche Entscheidungen | Tägliche Steuerung jeder Anlieferung |
| SiGe-Koordinator | Koordination nach BaustellV, SiGe-Plan | Vergabe von Lieferzeitfenstern |
| Logistikkoordinator | Anlieferung, Flächen, Wege, Logistikbericht | Fachliche Weisungen an Gewerke |
| Torposten | Zugangs- und Fahrzeugkontrolle am Tor | Umplanung von Lagerflächen |
| Polier eines Gewerks | Ablauf der eigenen Kolonne | Flächenvergabe für andere Firmen |
Ein Koordinator arbeitet selten nur mit Klemmbrett. Üblich sind ein digitaler Lieferkalender, in den Gewerke ihre Anlieferungen eintragen, ein aktueller Baustelleneinrichtungsplan mit Flächenbelegung und ein Tagesbericht, den die Bauleitung abends lesen kann. Welche Software es ist, spielt eine kleinere Rolle als die Disziplin, mit der sie gepflegt wird.
Aus den Daten lassen sich wenige, aber aussagekräftige Kennzahlen gewinnen. Sie zeigen der Bauleitung früh, ob die Logistik trägt oder ob ein Engpass entsteht.
Wichtig ist, dass die Zahlen nicht zur Schuldzuweisung dienen. Sie sind Grundlage für die wöchentliche Abstimmung: Welches Gewerk braucht mehr Kranzeit, wo muss eine Fläche früher frei werden, welche Lieferanten kommen regelmäßig zu spät?
Formal gibt es keinen festen Ausbildungsweg. Viele kommen aus dem Bauhauptgewerbe, etwa als Polier oder Vorarbeiter, andere aus der Lagerlogistik oder Speditionsdisposition. Entscheidend sind Ortskenntnis auf Baustellen, ein Gefühl für Abläufe und die Fähigkeit, mit Fahrern, Polieren und Bauleitung gleichermaßen klar zu reden.
Für Bauleitungen ist eine Frage im Gespräch besonders aussagekräftig: Wie gehen Sie vor, wenn zwei Gewerke für dieselbe Stunde dieselbe Kranzeit beanspruchen? Wer darauf eine konkrete, ruhige Antwort hat, kennt die Praxis. Hintergrund zum Fachkräftemarkt lesen Sie im Beitrag zum Fachkräftemangel in der Baulogistik.
Baulogistik Nord stellt im Rahmen des Logistik-Managements Koordinatoren für Baustellen in Norddeutschland und bundesweit. Gern besprechen wir Ihren Bedarf über unser Kontaktformular.
Einen geschützten Ausbildungsberuf gibt es nicht. Üblich sind Erfahrung aus dem Bauhauptgewerbe, der Lagerlogistik oder der Disposition. Wichtiger als der Abschluss sind Baustellenpraxis und sicherer Umgang mit Lieferplänen.
Nein. Der SiGe-Koordinator erfüllt die Pflichten nach der Baustellenverordnung zu Sicherheit und Gesundheitsschutz. Der Logistikkoordinator steuert Anlieferungen, Flächen und Wege. Beide arbeiten eng zusammen, haben aber verschiedene Aufträge.
Das hängt davon ab, was die Baustellenordnung und der Vertrag festlegen. Üblich ist, dass Fahrzeuge ohne gebuchtes Zeitfenster warten oder später wiederkommen müssen. Die Regel sollte vorab allen Gewerken bekannt sein, damit es am Tor keine Diskussion gibt.
Wir planen und betreiben die Logistik Ihrer Baustelle, bundesweit.